20 Years In Russia

Freizeit

Moskau – das Herz Russlands

Gigantisch, glitzernd, pulsierend: Moskau (auf russisch Москва) ist ohne Zweifel eine der spannendsten Städte der Welt. In der Hauptstadt – politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Russlands in jeder Hinsicht – leben ungefähr 15 Millionen Menschen, damit gehört die Stadt zu den grössten der Welt. Jeder Besucher ist beeindruckt von den Ausmassen Moskaus und von dem Glanz und Glamour dieser aussergewöhnlichen Metropole. In Moskau konzentrieren sich die Gegensätze des modernen Russlands. Die Fülle an Eindrücken aufzunehmen, mit der die Stadt ihre Besucher konfrontiert, kann ganz schön anstrengend sein. Die Stadt zieht jeden in ihren Bann – und sie schläft nie.

Von der Holzfestung an der Moskwa zur wichtigsten Stadt Russlands

Die erste schriftliche Erwähnung von Moskau ist auf 1147 datiert, das als Gründungsjahr der Stadt gilt. Der lokale Fürst war Juri Dolgoruki – einer von vielen, die damals in Russland lebten. Russland war im Mittelalter in viele miteinander konkurrierende Stadtstaaten und Fürstentümer zersplittert und Moskau war nur eine Stadt unter vielen. Benannt wurde sie nach dem gleichnamigen Fluss, der sie durchquert. Der Stadt wurde von den Tataren (die mongolischen Eroberer, die Russland Jahrhunderte lang besetzt hielten) übel mitgespielt. Im 16. Jahrhundert vereinten sich die russischen Fürstentümer unter der Führung Moskaus und es gelang ihnen, die mongolischen Reitervölker zu vertreiben. Fortan war nicht mehr Kiew, sondern Moskau das Zentrum der russischen Staatlichkeit und der Moskauer Grossfürst Iwan IV wurde Zar von ganz Russland. Moskau schmückt sich mit einer ganzen Reihe von Titeln: Златоглавая (‘‘ Mit goldenem Haupt‘‘- der vielen Kirchenkuppeln wegen), белокаменная (‘‘Die weiss Ummauerterte‘‘- die Kremlmauern waren ursprünglich weiss) und первопрестольная (‘‘Erster Thron‘‘- dieser Titel unterstreicht den Herrschaftsanspruch des Moskauer Grossfürsten über das ganze Land). Moskau war nun Russlands Zentrum, strittig gemacht wurde ihm diese Stellung lediglich von 1710 bis 1918, als St. Petersburg Hauptstadt war.

Moskau ist ringförmig um den Kreml, die alte Festung, gewachsen. Mit dem Aufstieg Russlands zur europäischen Grossmacht trat auch Moskau in die Weltgeschichte ein. 1812 von Napoleon angegriffen, brannte die damals grösstenteils aus Holzbauten bestehende Stadt vollständig nieder und wurde nachher in Stein neu aufgebaut. An breiten Boulevards, prunkvollen Palästen und goldenen Kirchen mangelt es nicht. Die Zeugnisse der Baukunst vergangener Jahrhunderte begegnen dem Besucher auf Schritt und Tritt. Die berühmtesten Bauwerke sind selbstverständlich der Kreml und der Rote Platz mit der märchenhaften Basiliuskathedrale, dem Leninmausoleum und dem GUM.

20. Jahrhundert: Hauptstadt der UdSSR

Nach der Oktoberrevolution wurde Moskau 1918 wieder Hauptstadt, nicht mehr des Zarenreiches, sondern der neuen Sowjetunion. Ab den dreissiger Jahren setzte im wichtigsten Ort Russlands eine rege Bautätigkeit ein. Aus der Sowjetepoche stammt auch die prächtige Metro. Ihre Stationen sind wahre unterirdische Paläste aus Marmor und Kristall, mit Stuckaturen und Leuchtern, Mosaiken und Statuen verziert. Mit dem Bau wurde 1931 begonnen, heute zählt die Metro rund 180 Stationen, wobei regelmässig neue Stationen dazu kommen.

1941 gelangten Soldaten der Deutschen Wehrmacht bis auf 25 Kilometer an den Kreml heran, die Partei bereitete die Evakuation der Stadt vor. Wer heute vom Flughafen ins Stadtzentrum fährt, sieht an der Ausfallstrasse noch alte Panzersperren. Sie wurden dort absichtlich stehen gelassen, um der Nachwelt zu zeigen, wie nahe der Feind dem Herzen Russlands kam. Das Stadtbild wird von den so genannten „sieben Schwestern“ geprägt, spektakuläre sowjetische Wolkenkratzer aus den vierziger und fünfziger Jahren im Stile des Stalin-Empire. Das beeindruckendste dieser Gebäude ist sicherlich die Universität.

In der Sowjetzeit wuchs Moskau rasant, von 4 Millionen Einwohnern in den dreissiger Jahren bis zu über 9 Millionen Ende der achtziger Jahre. Aus dieser Zeit stammt auch der Gürtel von Trabantenstädten rund um Moskau. Ein weiteres Erbe jener Zeit ist die bunte Völkervielfalt: Aserbaidschaner, Balten, Kasachen, Usbeken, Juden, Chinesen und unzählige andere Nationalitäten und Ethnien zog es in die Stadt – Moskau war und ist ein Schmelztiegel.

Moskau im neuen Russland

Oder sollte man besser sagen: Moskau ist das neue Russland? Der Zusammenbruch der Sowjetunion und die folgende schwere Wirtschaftskrise haben in ganz Russland zu grossen Problemen geführt. Im Rest des Landes sind die Verlierer des Umbruchs leicht auszumachen, aber in Moskau scheint jeder zu den Gewinnern zu gehören. Hier konzentrieret sich der Reichtum des ganzen Landes. Aus allen Sowjetrepubliken strömten die Menschen nach Moskau, um im Zentrum des russischen Kapitalismus ihr Glück zu machen. Die 1998 wiederaufgebaute, riesige Erlöserkathedrale (anlässlich des Sieges über Napoleon errichtet und in der Stalinzeit gesprengt) wurde zum Symbol der Wiedergeburt. An allen Ecken und Enden wird gebaut, Moskau wächst unaufhörlich weiter, in die Breite und in die Höhe. Das neue Geschäftszentrum ‘‘Moscow City‘‘ ist die grösste Baustelle Europas. Atemlos und rasant wird geschäftet, gekauft und das Leben genossen.

Man muss sie suchen, aber es gibt auch ruhige Ecken in Moskau. Der Kreml selbst ist eine solche Oase der Stille, obwohl er inmitten des ganzen Trubels liegt. Auch im Nowodewitschi-Kloster, in den malerischen Gässchen und den verträumten Parks oder in den zahlreichen Klöstern und Landhäusern im Umland kommt man zur Ruhe.

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